MITGLIEDER

Text von:
Barbi Marković

Superheldinnen (Auszug)

Leseprobe Seite 156f:
Wir hatten uns so sehr bemüht, damit alles okay sein würde, während Städte/Länder an uns vorbeiströmten. Neben uns strömte das Wiener Leben in seiner geschwätzigen Vielfalt, es strömte das Leben in Zagreb und Graz in seinem abgeschiedenen Seitenarm, es strömte auch das Leben in Belgrad in seinem Versuch, sich selbst den Schwanz abzubeißen. Uns juckten die rosa Narben von den Wunden, die wir uns selbst zugezogen hatten, als wir blind versuchten, uns aus dem Schlamm zu ziehen, in den wir durch Geburt und Auswanderung geraten waren. Wir waren unzufrieden. Wir kamen aus dem Dreck, aber wir waren nicht gekommen, um ewig von einer schlechten Arbeit zur nächsten zu hetzen. Diesbezüglich habt ihr uns falsch eingeschätzt. Wir waren gekommen, um das Leben aus der Werbung zu leben. Ich bemühte mich mit allen Kräften, an etwas Positives zu denken. Zum Beispiel liebte ich Tiere, die von mir abhängig waren, und Menschen, die über meine Witze lachten. Gelungene Kommunikation motivierte mich, wie Erfolg im allgemeinen. Aber all das war ein schwacher Trost angesichts der vielen Schrecken. Die Menschen stürzten Treppen hinunter und kotzten sie voll. Die Tauben nutzten die Situation, um sich auf den Treppen an der gelben Säure satt zu essen. Es waren genau die Treppen, die Mascha, Direktorka und ich langsam hinaufstiegen, hinauf zur Mittelschicht, aber ein Ende war nicht in Sicht. Wir wollten bis ganz nach oben, an die Erdoberfläche.

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