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VERSTORBENE MITGLIEDER

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Janko Messner

Biographie

geboren: 13.12.1921 in: Dob (Aich) verstorben: 26.10.2011
 

Die GAV trauert um Janko Messner, der am 26. Oktober 2011 verstorben ist.

Unser lieber Freund und Kollege, der Kärntner Slowene, starb knapp vor Vollendung seines 90. Lebensjahres.
Erleben durfte er noch die Komplettierung der siebenbändigen Gesamtausgabe seines herausragenden literarischen Werks, das wie ein mahnendes Gewissen vor uns steht, seine Charakterstärke und Widerstandskraft wiedergibt. Dank sei an dieser Stelle dem Drava Verlag gezollt.
Janko Messner, der väterliche Freund, war langjähriges Mitglied der größten, attraktivsten und aktivsten Schriftstellergemeinschaft des Landes, der Grazer Autorinnen Autorenversammlung, kurz GAV, für die er auch immer wieder aktiv wurde, sofern dies sein Gesundheitszustand zuließ.
1921 im Süden Kärntens in der Nähe von Pliberk / Bleiburg in der kleinen Ortschaft Dob / Aich geboren, wurde er in jungen Jahren zur deutschen Wehrmacht eingezogen und im 2. Weltkrieg schwer verwundet, war dann als Lehrer tätig und schrieb, z.B. auch Wem gehört denn unsre Erde hier? Und: Solidarität ist Zärtlichkeit zwischen Völkern.
Janko war eine Integrationspersönlichkeit in hohem Maß, ein sehr warmherziger Freund.
Als wir vor ein paar Jahren in Musils Geburtshaus in Klagenfurt erneut zusammenkamen, wo ich die Ehre hatte aus meinen neuesten Texten zu lesen, schrieb er mir in eines seiner zahlreichen Bücher – und zwar in das „Politicna pesem – grda pesem? / Politisch Lied – ein garstig Lied?“ eine mich sehr berührende Widmung. Er nahm darin Bezug auf ein Gedicht, das ich ihm vor einem Vierteljahrhundert gewidmet hatte – dem Zeitgeist zum Trotz!
Eines von Jankos einprägsamsten Poemen schließt mit:

„Ein jeder aus der Erde wird geboren, / ein jeder kehrt in ihren Schoß zurück, / wer jätet, gräbt und schwitzt aus allen Poren, / der ernte sein verdientes irdisch Glück.“

Dem ist wohl nichts mehr hinzuzufügen!
Adé, lieber, wahrer Freund! Auf ein Wiedersehen – in welcher Sprache auch immer!

(Gerhard Jaschke, Wien, 28.10.2011)

http://www.kultur.at/see/messner.htm

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Messner besuchte das Gymnasium in Klagenfurt und St. Paul und diente im Zweiten Weltkrieg in einer Strafkompanie der deutschen Wehrmacht. Nach einer Verwundung in Sizilien und 1945 in Ostpreußen wurde er im selben Jahr von britischen Streitkräften gefangen genommen. Er konnte nach Jugoslawien fliehen, wo er in Ljubljana Germanistik, Slawistik und Romanistik studierte und am Gymnasium in Ravne unterrichtete.

Als er 1955 mit dem jugoslawischen Staatssicherheitsdienst Udba in Konflikt geriet,[2] übersiedelte er nach Kärnten, wo er von 1963 bis 1980 am Slowenischen Gymnasium in Klagenfurt unterrichtete. 1984 besuchte er Ernesto Cardenal in Nicaragua und kandidierte 1999 zusammen mit dem Bildhauer Alfred Hrdlicka auf der Kärntner Liste der KPÖ.[3] In seinen Büchern thematisierte er den Widerstand slowenischer Kärntner gegen den Nationalsozialismus und die Behandlung der Minderheiten in Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg, insbesondere die Nichterfüllung der im Österreichischen Staatsvertrag verbrieften Minderheitenrechte wie der zweisprachigen topographischen Aufschriften, die trotz Erkenntnissen des Verfassungsgerichtshofs nicht vollständig vorhanden waren (vgl. Ortstafelstreit).

Sein Sohn Mirko Messner ist Bundessprecher der KPÖ.


 

Publikationen