MITTEILUNGEN

Schreiben von Grazer Autorinnen Autorenversammlung, IG Autorinnen Autoren und PEN Österreich/Writers in Prison Komitee bezüglich der Verfolgung von Künstlerinnen und Künstlern in Belarus

An S. E. Andrei Dapkiunas, Botschafter der Republik Belarus

Exzellenz,

uns erreichen schon seit vielen Monaten Berichte über die Verfolgung von Schriftstellern, Schriftstellerinnen und anderen Künstlerkollegen und -kolleginnen in Ihrem Heimatland Belarus. Nicht nur elementare Bürgerrechte, sondern auch Menschenrechte werden offenbar von den Sicherheitskräften verletzt. Brigaden schwarz vermummter Schläger gehen ohne Rücksicht auf deren Leib und Leben gegen friedliche Demonstranten und Demonstrantinnen vor – darunter sind auch Schriftstellerinnen und Schriftsteller, deren vernünftige und maßvolle Worte von der Politik nicht mehr gehört werden.

Wir haben Sie am 9. September 2020 wegen des Verschwindens von Marja Aleksejeuna Kalesnikawa kontaktiert, bekamen aber keine Antwort. Frau Kalesnikawa fehlte in Brüssel am 12. Dezember 2020, als dort im Europäische Parlament der Sacharow-Preis an Verteidigerinnen und Verteidiger der Demokratie in Belarus überreicht wurde. Sie wird laut „Spiegel“ in Isolationshaft in einem Gefängnis festgehalten. Ebenso die Übersetzerin Volha Kalackaja.

Exzellenz! Wir erwarten von Ihnen ein besonderes Verständnis für das Engagement der Kunst in einem gesellschaftlichen Transformationsprozess. Sie sind ein Nachfahre des großen Dichters Janka Kupala. Er hat die Volkssprache in Belarus zu einem so literarischen wie politischen Instrument gemacht und damit gleichberechtigt mit dem Russisch der großen Meister. Die Literatur von Belarus erfuhr zuletzt mit der Verleihung des Nobelpreises an Swetlana Alexijewitsch internationale Anerkennung. 

Wir fordern die sofortige Freilassung von Maryja Aleksejeuna Kalesnikawa und Volha Kalackaja, sowie die Übermittlung von Namen und derzeitigem Aufenthaltsort aller von Militär, Polizei und Justiz ohne legales Verfahren festgehaltener Kunst- und Kulturschaffenden.

Mit vorzüglicher Hochachtung,

Ilse Kilic (Präsidentin der GAV)
Patricia Brooks, Jörg Piringer, Doron Rabinovici (für den Vorstand der GAV)
jopa jotakin (Geschäftsführung GAV)
Gerhard Ruiss (Geschäftsführer IG Autorinnen Autoren)
Marion Wisinger (Writers in Prison Komitee)
Helmuth A. Niederle (Präsident PEN Austria)
(11.02.2020)

. . .

Die Grazer Autorinnen Autorenversammlung schließt sich dem Autor*innenprotest gegen die Abschiebung von hier geborenen und beheimateten Schülerinnen an,

der von der IG Autorinnen Autoren initiiert wurde.

Wir fordern die sofortige Rückkehr der abgeschobenen Schülerinnen und ihrer Familienangehörigen

Die Heuchelei der Regierung über menschliches Mitgefühl, den Schutz der Familie und Achtsamkeit im Umgang miteinander, ist nicht mehr zu ertragen. In allem, in dem sie mit ihren Handlungen solche Werte vorleben könnte, versagt sie. Nicht nur, dass sie sich außerstande sieht, Flüchtlingskinder in Österreich aufzunehmen, schiebt sie auch noch hier geborene Schülerinnen ab und beruft sich dabei auf ein unabänderliches Recht darauf bzw. auf eine unabänderliche Verpflichtung dazu.

Wer soll einer solchen Regierung glauben, dass sie in irgendeiner Frage aus Sorge um Menschen handelt? Wer soll einer solchen Regierung glauben, dass ihre Maßnahmen zum Schutz von Menschen vorgesehen sind? Welche Glaubwürdigkeit sollen Maßnahmen einer Regierung haben, die sofort alle ihre Appelle nach Mitgefühl und Verantwortung für andere außer Kraft setzen kann, wenn sie sich davon einen politischen Vorteil verspricht?

Die österreichische Regierung ist durch diese Abschiebung nicht nur den abgeschobenen Kindern und ihren Familienangehörigen mit Menschenverachtung begegnet, sie hat sie auch durch die Missachtung der Unterstützung zahlreicher unmittelbar Beteiligter zum Ausdruck gebracht.

Es geht nicht darum, wer gegen wen wie in der Regierung gehandelt hat und ob wer wen zur Nichtbeachtung von Gerichtsbeschlüssen auffordert, wie das jetzt zur Diskussion zu stellen versucht wird, es geht darum, dass unmenschliches Handeln unmenschliches Handeln bleibt und dass es immer Optionen zu menschlichem Handeln gibt. Es darf niemandem erlaubt werden, unmenschliches Handeln schönzureden.

Es gibt nur eine Lösung: Die umgehende Rückkehr der Ausgewiesenen. Dem Vollzug der Abschiebung muss eine sofort in Kraft tretende unbefristete Daueraufenthaltserlaubnis folgen. Ein solcher Fall von Abschiebung darf sich in Österreich nie wieder wiederholen.
(02.02.2020)