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Ulrich Schulz - Buschhaus

Biographie

geboren: 16.06.1941 verstorben: 05.11.2000
 

In memoriam Ulrich Schulz-Buschhaus (16.6.1941-5.11.2000)

Mit Ulrich Schulz-Buschhaus hat die Romanistik, und mit ihr die Allge­meine und Vergleichende Literaturwissenschaft, einen ihrer originellsten und vielseitigsten, produktivsten und unabhängigsten Köpfe verloren. Die Stationen seiner akademischen Karriere waren Hamburg (Promotion), Trier (Assistent ab 1971, Assistenzprofessor 1972), Klagenfurt (ord. Universi­tätsprofessor 1975) und Graz (ab 1989); Rufe nach Erlangen-Nürnberg und Saarbrücken lehnte er ab.

Zentrale Schwerpunkte seiner Forschungen sind bereits in seinen frühen Monographien angelegt: Form- und Stilgeschichte, Gattungstheorie und Interpretation italienischer Versdichtung in der Dissertation (Das Madrigal, gedruckt 1969); komparatistisch angelegte Gattungsgeschichte in Verbin­dung mit Sozialgeschichte, unter Einbeziehung, neben der französischen und italienischen, auch der anglo-amerikanischen Literaturen, in dem zweiten frühen Meisterwerk (Formen und Ideologien des Kriminalromans, 1975); literaturwissenschaftliche Methodenfragen in zwei wegweisenden Vorträgen (Der Kanon der romanistischen Literaturwissenschaft, 1975; Literarische Erziehung - wozu?, 1976).

Neben und nach diesen Studien veröffentlichte Ulrich Schulz-Busch­haus fast zweihundert Aufsätze und weit über zweihundertfünfzig Rezen­sionen, allesamt Musterbeispiele kritischer Prüfung neuer For­schungsbei­träge. Als Rezensent war er eine Institution. In den Aufsätzen erschloß er sich und seinen Lesern immer neue Gebiete der großen romani­schen Lite­raturen vom Mittelalter bis zur Gegenwart (besonders am Herzen lagen ihm Flaubert, Calvino, Borges und Vargas Llosa), der Literaturtheo­rie und Lite­ratursoziologie. In zwei Bänden (Bd. 6 und Bd. 8) der Reihe „Ars Rheto­rica“ sind die wichtigsten Arbeiten zu Flaubert (1995) und zu Moralistik und Poetik (1997) zusammengestellt: sie haben die Bedeutung großer Mo­nographien.

Gedankliche Klarheit und kritischer Scharfsinn, ästhetisches Gespür und ein einzigartiges sprachliches Darstellungsvermögen zeichnen diese und alle Schriften von Ulrich Schulz-Buschhaus aus. Sein Tod nach langer und schwerer, standhaft ertragener Krankheit hat seine Freunde, Schüler und Kollegen, nicht zuletzt auch seine Studenten, die ihn als großen Lehrer verehrten, schwer getroffen. Die Festschrift, die ihm zu seinem sechzigsten Geburtstag zugedacht war, wird nun als Gedenkschrift an ihn erinnern.

Bernhard König (Köln)


 

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