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VERSTORBENE MITGLIEDER

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Franz West

Biographie

geboren: 16.02.1947 in: Wien verstorben: 26.07.2012
 

FRANZ WEST TOT

 

GNADENLOS

hieß seine grandiose Ausstellung im Wiener MAK vor Jahren. Mit „Gnadenlos“ kann wohl auch sein gesamtes Leben und bildnerisches Tun überschrieben werden. Gnadenlos war das Leben gewiß mit ihm, er mußte an die 50 werden, um mit seinen Arbeiten wahrgenommen zu werden, bis dahin war er bloß dem Spott der hiesigen Wichtigtuer ausgesetzt. Verlacht, verhöhnt – daraus zog er aber seine unnachahmliche Kraft, die ihn zu Höchstleistungen anspornte – und im Rahmen seiner „factory“ Gigantomanes entstehen ließ. Im Vorjahr erhielt er noch als 1. Österreicher für sein Lebenswerk den Goldenen Löwen der Biennale Venezia, an der er oft teilnahm der ehemalige Gironcolischüler. Nun ist auch er tot, 65jährig.

FRANZ WEST lebt jetzt nur mehr in unser aller Erinnerung und durch seine Werke, die von frühen Peinlichtkeitsobjekten über Paßstücke bis zu eigenartig bunten Wülsten und Würsten (Zahnarztrosa überwiegt nicht von ungefähr beim Sohn einer ehemaligen Dentistin...) in XXX-large-Formaten, die scheinbar wie von einem anderen Stern gefallen im Amraser Schloßpark herumlagen. Ein bizarres Schauspiel war dies in der Tat, wie sein „Garten der Lüste“ im Unteren Belvedere.

 

Als einen äußerst hilfreichen Freund, der niemals seine Anfänge vergaß, lernten ihn einige kennen. Als großer Untertreiber wird er wiederum anderen in Erinnerung sein, als einer, der nicht allzuviel aus sich machte, die Dinge in ihrer durchaus vorhandenen Komplexität gänzlich einfach sah und nahm, Arrangements von bahnbrechender Schönheit schuf.

Als Mitglied der Grazer Autorenversammlung wurde er bereits vor Jahren für tot erklärt, als ein Altkommunist gleichen Namens, nicht zu verwechseln mit Arthur West!, ihm voranging. Dank einiger um ihn Bescheidwissender wurde er jedoch wieder unter die lebenden Mitglieder gereiht.

 

Daß herausragende Dichter wie Priessnitz und Schmatz Texte zu seinen Werken beisteuerten, erstaunt wohl nur den Wests Arbeiten gänzlich oberflächlich Betrachtenden, war doch sein Oeuvre Auslöser für vielerlei Assoziationen und speiste sich selbst aus vielen Quellen. Der durch Literaturen wie Philosophien verschiedenster Länder wie Zeiten in geradezu traumwandlerischer Sicherheit zu tänzeln schien, wurde insbesondere von Neuer Musik angeregt und hatte in Hermann Schürrer früh einen zur Hand, der ihn auf wirklich Essentielles hinwies. So waren es vor allem die Außenseiter der Moderne, die dieser ihm ins Zentrum der Betrachtung rückte.

 

Als Herausgeber einer frühen Tachtledition mit Text seines Halbbruders Otto Kobalek, trauere ich um ihn in mehrfacher Hinsicht.

 

Gerhard Jaschke, 26.7.2012


 

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