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bka Wien Kultur

MITGLIEDER

Text von:
Bernhard Studlar

Endstation Salzkartoffel

- Unterredung zweier älterer Herren im Autobus

Zwei Männer stehen im Bus. Sie halten sich mehr aneinander als an der Stange fest.

Grüß Gott.
Ja, grüß Sie.
Na ja freilich. Wie geht’s Ihnen?
Danke, und bei Ihnen?
Alles sehr schön, ich war heut schon in der Stadt.
Und jetzt wieder auf dem Heimweg.
Na freilich.
Ja.
Ja sicher.
Jaja.
Und Sie?
Danke, sehr gut. Meine Frau ist aus dem Spital heraußen.
Da schau her.
Ja, hat eh gedauert.
Na tapfer.
Schon ja.
Wird Ihnen die Zeit wieder kürzer.
Jaaaa.. Na, die Fahrerei war schon.
Na ja.
Aber meine Tochter hat mir sehr geholfen. Mit dem Waschen.
Jaja natürlich. Bei mir war mein Neffe zu Besuch.
Ja schau an.
Der ist ja sehr beschäftigt. Ein Wirtschaftler.
Aha aha.
Ja.
Jaja.
Na, und jetzt hat er mich zwei Tage lang besucht, der lebt ja in Deutschland.
Na so weit.
Jaja. Ist erst dreiunddreißig und schon Abteilungsleiterstellvertreter.
Wo?
In der Gegend um Düsseldorf.
Das kenne ich, da war ich schon einmal.
Aber geh.
Ja. Ist allerdings schon ein bisserl aus. Kurz nach dem Krieg.
So was.
Jaja.
Ja.
Da war natürlich alles zerstört.
Ja.
Sehr bedrückend.
Na freilich. Aber hier ja auch.
Bei uns haben’s da schon wieder fest für die Wiedereröffnung der Burg und der Oper geprobt.
Ganz schön warm ist es heute wieder.
Sie sagen es.
Mir ist das schon fast zuviel.
Na ja seien wir froh, dass ned noch immer schneit, wie in Finnland.
Ja.
Meine Tochter ist dorthin auf eine Rundreise gefahren und hat ein Karte geschickt, wo sie geschrieben hat: „Lieber Vatel, stell dir vor, hier schneit es immer noch.“
Na geh.
„Bussi deine Adelheid.“ Unglaublich, ned?

Pause. Der Bus bleibt stehen. Andere Menschen steigen aus. Der Bus fährt weiter.

Jetzt könnten wir uns setzen.
Na jetzt is auch schon egal.
Stimmt.
Wenn er ned so ruckartig bremst, geht es.
Ja.
Aber manchmal bremst er so ruckartig.
Stimmt.
Dass es einen fast durch den Gang schleudert.
Aber.
Das ist abhängig von dem Fahrer. Es gibt einen jungen, sehr beleibten.
Ja, den kenne ich.
Der fährt wie ein Narrischer.
So jung und schon so dick. Der war jetzt aber schon lang nicht mehr.
Ja. Gott sei Dank.
Ich glaube, den haben sie entlassen.
Ja. Heut wird bald wer entlassen.
Ja.

Der Bus bleibt stehen. Andere Menschen steigen aus. Der Bus fährt weiter.

Ich bin schon neugierig, was es heute zu essen gibt.
Ich bin noch gar nicht informiert.
Na ja, werden wir schon noch was kriegen.
Gegeben hat es ja immer noch etwas.
Ja, verhungert sind wir nie.
Schön.
Waren sie auch bei der Untersuchung?
Jaja.
Und?
Welche meinen Sie?
Na letztens.
Ach so, jaja.
Meine Blutwerte sind im grünen Bereich, wie man so schön sagt.
Gratuliere, dabei müsste es ja eigentlich beim Blut eine andre Farbe sein.
Ja. Jaja. Sehr witzig.
Meine Zuckerkrankheit habe ich ja schon lange unter Kontrolle.
Ach so? Sie dürfen gar nix Süßes?
Sollte nicht.
Aber schmecken tät es Ihnen.
Na was heißt.
Ah, da müssen wir jetzt aussteigen.
Soll ich ihnen helfen?
Danke geht schon. Haben’s gedrückt?
Freilich.
Also.

Sie steigen aus, wenden sich nach links, gehen los.

Na also, sind wir wieder daheim.
Schön.
Mahlzeit.
Danke, ebenfalls.
Danke.
Ich habe gehört, dass der Ausflug nächste Woche nicht stattfinden soll.
Na geh. Von wem?
Der Kollege in der Unterwassergymnastik hat es mir erzählt.
Schade. Das war doch immer eine schöne Sache.
Aber es gibt ein Alternativprogramm: Theater.

Ihre stimmen werden immer leiser.

Theater? Ich hoffe, dass es heute ein Krautfleisch gibt.
Das haben wir vor Jahren zum letzten Mal gehabt. Vor Jahren.
Ja, seitdem warte ich sehnsüchtig darauf, dass es wieder serviert wird.
Mit Salzkartoffeln.
Ja. Salzkartoffeln sind was Feines.
Ja.
Jaja.

Ende.