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bka Wien Kultur

MITGLIEDER

Text von:
Renate Woltron

Ich würde mich am liebsten selbst in Watte packen (2015)

Es ist ein Wahnsinn, was in der Welt los ist. Ich mag schon gar keine Nachrichten mehr sehen.  - Ich würde mich am liebsten selbst in Watte packen. - Einfach nur auf mich und das Schöne in meinem Leben konzentriert sein. Ein bisschen arbeiten – fürs Geld. Ein bisschen sparen – für Reisen. Ein bisschen entspannen – für die innere Ruhe. Ein bisschen soziale Kontakte – gegen die Einsamkeit. Und den Rest mit Liebe füllen – für die, die sie wollen und brauchen. Auch ein bisschen - für mich selbst.

Bitte –  ich meine – schauen wir uns doch mal um! Manche sind da wirklich von allen guten Geistern verlassen! Da haben wir auf der einen Seite Verblendete, die im Namen eines Gottes herumrennen, randalieren, vergewaltigen, durch die Gegend ballern und die gesamte Welt in Angst und Schrecken versetzen. Dann gibt's Hunderttausende, die sich furchtbaren Strapazen, riesiger Gefahr und menschenunwürdigen Bedingungen aussetzen, um ein besseres Leben zu erhalten. Und andere, die gegen genau die Hilfesuchenden vorgehen und sich ihnen mit Parolen entgegenstellen, die diese nicht einmal verstehen. - Bei all dem würde ich mich wirklich am liebsten manchmal selbst in Watte packen und wegschauen, weil mir das Kotzen kommt.

Andere Verrückte und Verrücktinnen reiten auf einem Binnen-I herum und lenken damit im Grunde doch nur davon ab, dass wir Frauen – auch in unserer westlichen zivilisierten Welt – noch lange nicht gleichberechtigt sind. 100 Jahre Erster Weltkrieg haben wir schon zelebriert, auf die 100-Jahr-Feier zum Frauenwahlrecht müssen wir noch etwas warten. Weil wir in Österreich leben. Die Schweizer und Schweizerinnen zum Beispiel oder andere Länder müssen sich noch länger gedulden. - Bei so viel Ungerechtigkeit möchte ich mich am liebsten selbst in Watte packen und mit meinem Wattebausch in die Vergangenheit reisen, um die Zukunft zu ändern.

Dabei geht es gar nicht nur um Frauenrechte. Auch Kindern und Menschen generell und in vielen Teilen der Welt werden ganz einfach keine Menschenrechte zugestanden oder sie werden beschnitten. Die Menschenrechte und die Menschen. - Es waren halt noch nie alle gleich! - Das gab's nie und wird es wahrscheinlich auch nie geben. Wir drehen uns im Kreis – die Menschheit ist in einem Hamsterrad gefangen! - Da würde ich mich am liebsten selbst in Watte packen und die Notbremse ziehen.

Aber was bringt es im Grunde, sich selbst in Watte zu packen, wegzuschauen und wegzuhören?! Irgendwann wird's doch fad. Und Negatives und Positives sind eben wie Zwillinge, das eine braucht das andere, das eine bedingt das andere. Und vielleicht kann ich mich ja auch gar nicht selbst in Watte packen. Vielleicht brauche auch ich meinen Zwilling, der mich in Watte packt.