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bka Wien Kultur

TEXTE

Text von:
Michael Fischer

Differenz und Verklärung

Drei Sekunden bevor es zu spielen beginnt bin ich noch ich, dann löse ich mich teilweise auf, versuche meine Selbstwahrnehmung zu einer Gruppenwahrnehmung umzuwandeln, für die Konstellationen vorzubereiten, die mein Interesse wecken, Unterstützung der keimenden Positionen und Strukturen mit Stille oder Klang, mit Affekt oder Erfahrung, mit Helligkeit oder Banalität, dem Vorgeschobenen den eigentlichen Antrieb bekannt machen, der Ambition zur Kommnikation verhelfen, ja oder nein, will ich oder nicht, wann und was kann sein? was wird offenbar, was versucht, was scheitert, was gelingt wem, wozu und wofür wird es verwendet? was wird gefolgert und was dadurch ausgelöst, was kann ich wahrnehmen, bin womit einverstanden oder schlage drein, Reflex eines affektiven, somit auch effektiven Antriebs, ich weiß was mein Instrument bieten kann, was mein Körper im Moment leisten kann, um Denken, Fühlen und Agieren zu tragen, oder nehme ich mich aus dem Spiel, warte mit Großzügigkeit und Geduld auf den Moment einer sich offenbarenden Assoziation die dann mein noch kontroliertes Denken mich vergessen läßt, die dünne Schicht des bewußten Agierens zugunsten des Darunter verdünnt, die Identifikation mit dem Klang nahezu völlig empfindbar macht, mein Geist bewegt die Luft und die schwingt aus, Distanz zu mir und zum Geschehen, jede Position, die mich erkennen läßt, die Schranken handhabbar macht, der assoziativ festgestellten Notwendigkeit zu folgen, auch wenn Schmerzen damit verbunden sind, weil mein Körper nicht trainiert ist, die musikalische Idee ob der Anatomie kaum ausführbar, soll ich Masochismus mit Sadismus kompensieren, meine Unzufriedenheit wird Motor neuer Assoziationen, Ruhe, Wiederholung, Reduktion, zurück einen Schritt hinters schon Geschehene, nochmal kurz die Motive und Motivation bedacht, Kraft und Geschick, ich decke den Tisch neu, Werkzeug vorhanden, die klare Sicht der Zutaten erzeugt Neugier, schafft Lust für neue Rezepte, das Gekochte oder doch das Rohe zum kommunikativen Mythos verwandeln, die Zutaten werden präsentiert, bezeugen Ausdauer im Suchen und Finden, im Üben der Notwendigkeit des Agierens, die vielleicht ein Stück Selbst finden läßt, durch Wiederholung des Einfachen die Bestandteile, die für alle Gültigkeit haben, zur Kenntnis bringen, keine Angst vor Überraschungen, keine Scheu vor der Insuffizienz des sich Offenbarenden, ganz im Gegenteil, dadurch den Gehalt und das Wesen der Existenz klären, den erzwungenen, unnotwendigen Klischees die mögliche Fülle neu entwickelter Interessen gegenüberstellen, wird da das A zum B, die Apathie zur Bereicherung, die Abgeschmacktheit zur Beflügelung der Ambitionen, Angst ist im Spiel die Gunst der B-Sager zu verlieren, die das A ja so gut kennen, scheiß drauf!, zum Glück ist das Wahrnehmen mit Lust verbunden, somit die Chance vorhanden, die Verbundenheit mit der eigenen Wahrhaftigkeit zu feiern, sich über sich selbst zu erheben, die Fertigkeit und der Klang machts möglich, viele Stunden braucht dieser Moment bis er die Frucht seiner unerschöpflichen Vielfalt mir und euch offenbaren kann, dann jedoch ist es bewiesen, die Veränderung ist im Moment des Erkennens möglich, nicht klein beigeben, nicht der nicht wirklichen Bequemlichkeit anheim fallen ist ein Fokus meines Tuns, vierzehntausend Stunden schimmlige, abgestandene Kellerluft durch ein Blechrohr blasen, um meiner Seele Momente der Zufriedenheit zu gönnen, das gönn‘ ich auch den anderen, denn allein gefreut wird nicht gefeiert heut‘, durch besprochene Veränderung erst kann das Teilweise zum ganzen Selbst streben.