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Herbert W. Franke

Biographie

geboren: 14.05.1927 verstorben: 16.07.2022
 

Nachruf von Katharina Rustler auf derstandard,at

Wien – Dieser Mann hatte viele Gesichter, war in vielen Welten zu Hause und galt als Pionier in mehreren Bereichen: Herbert W. Franke war Wissenschaftler im Bereich der Theoretischen Physik, Höhlenforscher und Science-Fiction-Schriftsteller. Darüber hinaus zählte er als "Computerkünstler der ersten Stunde" sowie Mitbegründer des Linzer Festival Ars Electronica (1979). Wie seine Familie am Samstag bekannt gab, verstarb der Medienkünstler nun in der Nähe von München im Alter von 95 Jahren.

Franke sei ein "Universalgelehrter" gewesen, würdigte ihn Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne). "Er vereinte physikalisches, mathematisches, philosophisches und chemisches Wissen und war in vielem seiner Zeit weit voraus. (...) Mit Herbert W. Franke verlieren wir einen umfassend gebildeten, kritischen und vielfältig talentierten Menschen", so Mayer weiter.

Franke war ein Grenzgänger zwischen Wissenschaft und Kunst und kann als ein Vordenker des heutigen Metaverse verstanden werden. Bereits 1954 (!) experimentierte er mit analogen Computern und schuf ab den 1960er-Jahren erste Großrechner für seine abstrakte "algorithmische" Kunst nach mathematischen Prinzipien. Ab den 2000er-Jahren baute er gemeinsam mit seiner Ehefrau Susanne Päch die 3D-Welt "Z-Galaxy" auf – ein Ausstellungsareal auf der Internetplattform "Active Worlds".

1970 war Franke auf der Biennale in Venedig vertreten und zeigte einen mit dem Digitalcomputern geschaffenen Siebdruck der Serie Quadrate, bei dem er Zufall und Algorithmus gemeinsam arbeiten ließ. Bereits in den 1950er-Jahren stellte er im Museum für angewandte Kunst (Mak) in Wien aus.
Vordenker des Metaverse

Anlässlich seines 95. Geburtstag richtete das Linzer Francisco Carolinum dem 1927 geborenen Wiener erst diesen im Mai eine umfassende Retrospektive aus und schrieb ihn als "Urvater der Medienkunst" und Vorreiter heutiger digitaler Errungenschaften im Bereich der Kunst ein. Im Juni dieses Jahres veröffentlichte Franke sogar eine Serie von 100 NFTs (non-fungible token) auf Quantum, eine der führenden Plattformen. Die Einnahmen flossen in die Gründung der neuen Stiftung "Art meets science – Stiftung Herbert W. Franke".

Neben seinen zahlreichen Fach- und Sachbüchern verfasste Franke vielfach preisgekrönte Science-Fiction-Erzählungen und -Romane, darunter Spiegel der Gedanken oder Endzeit (beide Suhrkamp). Schon zwischen 1951 und 1956 veröffentlichte er erste Werke als Autor, teils auch unter den Pseudonymen Sergius Both und Peter Parsival. 2007 wurde das Mitglied des deutschen PEN-Clubs mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse ausgezeichnet.

"Ob im wissenschaftlichen oder im künstlerischen Bereich, Herbert W. Franke war ein Universalgenie, ein echter Pionier von Weltrang mit außergewöhnlichen Werken und großen Leistungen", würdigte ihn der oberösterreichische Landeshauptmann Thomas Stelzer. "Es macht uns glücklich, dass wir seinen Wunsch nach einer Ausstellung in seinem Heimatland noch zeitgerecht erfüllen konnten", so Geschäftsführer der OÖ Landes-Kultur GmbH, Alfred Weidinger, zum Tod des außergewöhnlichen Künstlers. (Katharina Rustler, 16.7.2022)


 

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