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bka Wien Kultur

MITGLIEDER

Text von:
Martin Klaus Menzinger

s p a l t e n

 grellgelb ja grellgelb mein schmerz  mein fieber jagt mit dem klappern meiner klapperschlangen jagt das lied der rasseln meine traeume durch die keller durch die gitter meines gitterbettes lauf ich so wie ein tiger mit den krallen im pelz lauf ich durch das gehege dieser anstalt ja das ist mein tollhaus mit tausend stimmen im kopf zerplatzt mein hirn zerspringt im kopfgespinst da klopfen die gespenster da spuken die geister bitten zur geisterstunde da tanzen die narren da klirren die ketten glaesern ja so ganz und gar glaesern leis singen die toten kinder lieder auf dem friedhof der namenlosen klingen die klagelieder durch die ohrmuschel meines tollhauses wandert das stoehnen meines kindes das toent durch das tausendjaehrige labyrinth dieser anstalt laufen die maenner in weiß die waerter die pfleger binden diesem kind das gebein an das kreuz die schuld ja meine schuld offenbart sich mit gespreizten gliedern schabt man diesem kind die haut von den knochen ja mit gluehenden schabeisen schabt man diesem kind die haut von den knochen sengt man diesem kind das haar aus der scham schabt man diesem kind mein kind das schreit um seiner seel schreit mein kind schreit ums leben vor dem fluegelschlag eines schmetterlings schreitet die engelmacherin im gluehen der alpe vom dorf rauf zum berg zum hof zur tat schreitet die engelmacherin mit diesem vom tod beseelten laecheln faßt die engelmacherin zum besteck im gepaeck mit gluehenden schabeisen schabt man diesem kind die sprache so wie das messer den augapfel das messer den augapfel das messer den augapfel ja damals in diesem sommer vor vielen jahren in der schwuele dieses julihochsommertages an meinem siebenten geburtstag ja das war mein hochzeitstag mit tausend hochzeitsglocken im kopf da schnitt man diesem kind die sprache so wie das messer den augapfel in spalten tausend spalten spalten spalten so schnitt man diesem kind den satz das wort ja so riß man meinem kind die zunge aus dem leib (...)“

 

M.K. Menzinger „spalten“; (Auszug)