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bka Wien Kultur

MITGLIEDER

Text von:
Simone Schönett

Konratio

"Hin ist hin - und aufstehen gilt nicht mehr", hat Konratio früher immer gesagt, wenn Josefine wieder einmal geglaubt hat, dass sie an einer unheilbaren Krankheit leidet, und dann hatte es doch ihn erwischt. Die paar Schlaganfälle, die er gehabt hat, wie die Ärzte sagten, hat er nicht inmal bemerkt; er hat den Schmerz und den Schwindel einfach hinunterespült mit einem Doppler Wein, und dann hat er sich alles wieder aus dem Leib gekotzt.
Kurz vor Nanas Geburt allerdings half auch das Trinken nicht mehr. Er ließ sich von Otti ins Krankenhaus bringen, dort wurde festgestellt, dass die Atemnot, die ihm den Schlaf raubte, daher kam, dass sein Herz nicht mehr richtig pumpt.
Nach seinen zwei Herzoperationen war Konratio immer wieder im Krankenhaus. Die Zeit zu Hause verbrachte er in seinem Bett vor dem Fernseher und schaute sich einen Actionfilm nach dem anderen an, denn Konratio wollte immer schon ein Held sein, ein knallherter.

Konratio ist auch Jenischer. Seine Familie war eine von denen, die nicht einmal ein Haus hatten, und er und seine fünf Geschwister wurden alle auf der Reise geboren. Jeder woanders. Gemeinsam war ihnen nur, dass sie kurz nach der Geburt mit eiskaltem Bachwasser gewaschen wurden, zur Abhärtung.
Hausieren, das hatten Konratios Eltern von ihren Eltern gelernt, und das war so seit Generationen. Man war unterwegs. Nicht nur den Sommer über, wie Josefines Familie, sondern auch im Biberling.
Nur in den Paar Wochen im Jahr, in denen das Leben draussen überhaupt nicht möglich war, haben sie in einem Haus gelebt. Aber dann auch immer in einem anderen.

Quelle: Im Moos, Roman, Bibliothek der Provinz, Weitra 2001