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bka Wien Kultur

MITGLIEDER

Text von:
Renate Pittroff

Auszug aus Reply – Installativer Kommentar zum Mozartjahr 2006

23. 06. 05, 13:00 - 15:00 Uhr
Café Landtmann, Gespräch mit Herrn v. B.

"Natürlich kommt es vor, dass diese Leute 30 - 40.000 Euro an einem Tag ausgeben. Hie und da werden auch Kunstwerke angekauft, das läuft aber dann so: da wird gesucht und geprüft und genau durchgerechnet ... zum Beispiel einen Andy Warhol ... da wird dann geschaut, was kostet der, welche Reputation hat der Künstler ... international ... wie ist die zu erwartende Wertsteigerung ... das machen alles Fachleute, die dann eine Expertise, eine Begutachtung erstellen, und dann kommt es zu einem Ankauf oder nicht. Das kommt aber ganz, ganz selten vor."

"Verstehe. Wie Sie sich vorstellen können, habe ich ja auch noch andere finanzkräftige Leute angeschrieben ..."

"Ach so ... mehrere Leute ... ja ... habe Sie denn schon Antworten bekommen?"

"Bisher nur negative."

"Sie werden da auch kaum ... verstehen Sie, diese Leute, die so viel Geld haben, dass sie es nicht einmal mehr vernichten könnten, selbst wenn sie es wollten, denken da ganz anders. Sie müssen sich das so vorstellen: Wenn Sie ein Projekt haben - sagen wir mal das kostet 50 oder 100.000 Euro - dann dürfen Sie nicht, wenn Sie zum Beispiel schon 90 oder 95 Prozent zusammen haben, also nicht für die restlichen 3, 4, 5.000 Euro dort anfragen - zum Beispiel bei der K-Stiftung ... das ist für diese Leute ganz uninteressant ... die wollen ja in der Öffentlichkeit ... als Hauptsponsor ... verstehen Sie?
Wichtig ist aber, diese Leute wollen wissen ... also Ihr Projekt muss einen Anfang und vor allem ein ganz klares Ende haben, sonst wissen die ja nicht wie weiter ... und dann muss ganz klar beschrieben sein, wie, was, wann - also in welchem Zeitraum - das stattfinden soll, was Sie anbieten, und was der Geldgeber davon hat, ... er wird in den Medien als ... als Hauptsponsor ... was auch immer."

"Und wenn ich mein Projekt noch einmal in dieser klaren Form zusammenstelle und Ihnen oder Herrn Kl. schicke ...?"

"Nein, nein, das ist ganz ... wissen Sie, Herr Kl. ... er hatte ja, wie Sie sich vielleicht noch erinnern eine sehr, sagen wir mal ... exzessive Zeit ... mit all den ... in den Zeitungen und so weiter ... aber jetzt lebt er ganz zurückgezogen und will von anderen Leuten nichts mehr wissen, ja, er hasst Menschen ... . Sie müssen sich das so vorstellen: Da gibt es eine Liste von Leuten, sozusagen einen inneren Kreis, und da kommt von außen niemand hinein oder dazu ... wahrscheinlicher ist es, dass jemand hinausfliegt; und er verlässt auch nur noch ganz selten sein Haus, und wenn, wie gesagt, das kommt heute nur noch ganz selten vor, dann lässt er sich, wenn er zum Beispiel in ein Restaurant ... auch früher war das nicht anders ... dann gibt es da eine Liste, da steht drauf, wer alles im Restaurant dort sein wird ... also da steht dann drin: Das ist der Koch, diese Herren oder Damen werden Sie bedienen, dieser Herr wird Sie empfangen, der und der ist der Besitzer des Lokals, der führt das Lokal seit dann und dann, und alles natürlich jeweils mit Lebensläufen, also der Koch ist geboren da und dort und hat diese und jene Ausbildung und hat hier und dort ... und das müssen
natürlich alles erstklassige Häuser ... gearbeitet ... und da gibt es also ein mehrseitiges Dossier, das wird geprüft, das liest sich Herr Kl. haargenau durch und entscheidet dann, aber völlig selbstständig, ob er dort hin geht oder nicht, und es ist schon oft vorgekommen, dass, obwohl alles in Ordnung ... er wegen, irgendetwas hat ihn gestört ... nicht."

"Hm, das ist in gewisser Weise eigentlich vielleicht eine Art Gefangenensituation."

"Sie müssen sich das so ... das geht ja nicht nur heute so, ... dieser Mann kennt das seit seiner frühesten Kindheit, dass Drohbriefe, Erpressungsversuche ... es musste immer jemand da sein, der ihn beschützt ... zur Schule und so weiter, ... er kennt gar nichts anderes, als diese ständigen Versuche ... und deshalb ... Sie müssen da Verständnis haben, ... solche Leute schotten, ja müssen sich von der Außenwelt abschotten.
Bei Ihnen, Sie sind Musiker ... schön ... bei mir hat, obwohl ich es gerne gemacht hätte, - und ich wollte immer, dass meine Kinder, aber die haben dann kein Interesse gehabt, einmal ein Instrument, Geige oder Klavier ... und - das ist doch eine sehr schöne Beschäftigung, ich kann Sie nur beglückwünschen ... - wenn Sie aber Erfolg haben wollen, machen Sie das, wie andere auch, denken Sie ein bisschen an Ihre früheren Kollegen ... Sie wissen schon."

Aus: Reply – Installativer Kommentar zum Mozartjahr 2006
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