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bka Wien Kultur

MITGLIEDER

Text von:
Klaus Ebner

Kleinkariert


Die Vermutung tat weh, o ja, doch zeigte sich mir keine Alternative, keine Erklärung und auch kein Ausweg, immerhin erlebten wir seit Jahrzehnten einen Ausverkauf dessen, was so deutschtümelnd Volkseigentum hieß, und das passte genau auf die Situation, die mir so zuwider war, denn es waren eigentlich immer deutsche Unternehmen, die österreichische einkauften, übernahmen und sich einverleibten, da spielten die anderen Nationen gar keine Rolle und sogar die Multinationalen unterhielten höchstens Filialen in unserem Land – unbedeutende Ableger fremdländischer Zentralen, billige Kontore ohne eigene Entscheidungsgewalt –, folglich traten fast ausschließlich bundesdeutsche Firmen auf den Plan und drängten sich in die heimischen Führungsetagen, um schließlich den gesamten Besitz in ihre Konzerne überzuführen, ein Phänomen, das in der Weltwirtschaft zwar nichts Neues darstellte, aber in Österreich doch einen speziellen Anstrich besaß, weil die Verkäufe stets an unsere nördlichen Nachbarn gingen, da fielen mir sehr wohl des öfteren die Machenschaften während der nationalsozialistischen Annexion ein, doch wenn ich mich zurücknahm und beruhigte, die Sache mit etwas Objektivität und Fairness abwog, wurde sofort augenscheinlich, dass zu einer Veräußerung immer zwei gehörten, also auch die Österreicher mit offensichtlicher Wonne ihr Eigentum verscherbelten und da besonders willig an die Deutschen, denn da blieb ihnen sogar die Herumplackerei mit einer Fremdsprache erspart, und wie ich darüber sinnierte, warum überhaupt ein solch intensiver Ausverkauf betrieben wurde, fiel mir der geschichtliche, jahrhundertelange Drill auf Demut und Untertänigkeit auf, der sich in unserer Mentalität nicht nur abgelagert, sondern eingegraben und verwurzelt hatte, und da mutmaßte ich, dass meine Landsleute vielleicht gar keine Verantwortung übernehmen wollten und deshalb möglichst rasch jeden Besitz devot an die industriellen Preußen und Hessen abschoben, um sich weiterhin unbekümmert in vertrauter habsburgischer Unterwürfigkeit zu üben.